* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* mehr
     Helmut Schmidt
     Kurze Chronologie des Terrorismus






1968 Tunnel Rats

Vietnam 1968: Eine Gruppe amerikanischer Soldaten wird in den tiefsten Dschungel versetzt. Sie sind die Neuankömmlinge in einem Lager von abgehärteten „Tunnelratten“ deren Aufgabe es ist die von der Vietcong angelegten Tunnelsysteme aufzustöbern und unschädlich zu machen. Durch die Tunnel schickten die Widerstandskämpfer Truppen und Material. Unter der Erde wurden Schlafquartiere, Planungszentren und Krankenhäuser angelegt. Außerdem gab es viele Sackgassen und Fallen um den Amerikanern das Leben noch weiter zu erschweren.

Als der Film anlief war mein erster Gedanke „Oh mein Gott, welcher Depp dreht heute noch nen Vietnamkriegsfilm?“ (Meisterwerke wie Platoon, Full Metal Jacket und Apocalypse Now sind ja nur der Gipfel des blattgrünen amerikanischen Traumas). Der Titel hatte mich dagegen wieder etwas beruhigt, schließlich ging es um ein Thema das lediglich in Forrest Gump kurz aufgegriffen wurde. Der Regisseur dagegen... Es tut mir leid, aber was da oben in Anführungsstrichen steht war nicht nur mein erster Gedanke, ich habe es unbedarft wie ich bin laut ausgesprochen! Und Lacher geerntet.

Die Antwort - ich hatte es im Vorspann wohl übersehen - lautet nämlich: Uwe Boll!

Über seine anderen Filme will ich mich überhaupt nicht auslassen. Es ist zu empfehlen sich den Wikipedia-Artikel durchzulesen, er ist informativ, amüsant und kurz. Zurück zum Film.

Die Idee an sich ist gar nicht mal schlecht. Auch die Ausstattung stimmt. Abwärts geht es dann bei den Schauspielern, doch welche Chance lässt ihnen das Script bei den Oberflächlichen Schablonenfiguren die sie spielen?

Oh, ziemlich viele, denn es gibt kein Script. Dr. Boll erklärt ganz stolz das die Dialoge improvisiert sind. Nun... es gibt Filme welche auf diese Art durchaus an Qualität gewinnen, dieser nicht. Die Dialoge bleiben genauso steif, zusammenhangslos und gewöhnlich wie man es schon in Dungeon Siege oder Bloodrayne bestaunen konnte. Hier haben wir den harten Schwarzen aus der Bronx, das Weichei da, das Muttisöhnchen hier. Da kommt auch schon der Sergeant der sich um seine Jungs kümmert und sie vor dem Gemüt des fanatischen Leutnants schützt. Einen blonden Helden gibt es auch.

Interessant wird es erst wieder als es in die Tunnel geht. Da stimmt die Atmosphäre einigermaßen, auch wenn man merkt das der Produzent eher Erfahrung mit Horror- als historischen Kriegsfilmen hat. Denn ihre Taschenlampe richten die Soldaten grundsätzlich erst mal auf ihr Gesicht, die Pistole an die Decke oder auf den Körper. Ab und zu werden Schüsse ins Dunkel abgefeuert, einen Eindruck davon was man in diesen Tunneln sieht oder nicht gibt es nicht.

Im weiteren Verlauf bleibt die Story fad und vorhersehbar, Tunnelszenen und vor allem die Kämpfe in ihnen sorgen gelegentlich für Spannung die dann aber wieder rapide abfällt. Dabei wird vor allem auf Blut und sparsame Kameraführung gesetzt statt Choreographie und ähnliche Nichtigkeiten. Und nein, die Vietcong schießen immer noch mit AK-47ern auf die Amis, auch wenn hier gelegentlich Körperteile rumfliegen. Bolls Make-Up-Mensch kommt aus dem Splatterfilmgenre und ist ebenso unfähig darin seine Wurzeln hinter sich zu lassen wie sein Herr und Regisseur.

Zu guter Letzt schlägt auch der Versuch Atmosphäre durch Echtzeit zu schaffen fehl, führt nur zu Langeweile und der Hoffnung auf mehr Blut nach dem nächsten Schnitt damit man sich wenigstens ekeln kann.

Einen weiteren Pluspunkt hätte der Regisseur damit sammeln können das einige Szenen aus der Sicht der tapferen kleinen Männer und Frauen mit der AK-47 gedreht wurden. Doch selbst diese können dem bollschen Muster nicht entrinnen. Die Vietnamesen sind ebenso grau wie die Amerikaner – wäre ja diskriminierend wenn nicht, oder?

 

Fazit:

Ein interessantes Thema, ein paar gute Ideen und das sagenhafte Kunststück daraus einen Schundfilm zu machen der allenfalls einen Fernsehabend einleiten, geschweige denn einen Kinobesuch füllen sollte. Selbst wer sich für das Thema „Tunnel Rats“ interessiert wird enttäuscht sein.

Hierfür den normalen Kinopreis zu zahlen wäre nur ärgerlich, ihn in der Sneak zu sehen durchaus erträglich.

 

Nachtrag:
Uwe Boll produziert jetzt anscheinend einen Egoshooter mit dem Titel „1968 Tunnel Rats“. Wer denkt da nicht an marketing...

Nun ja, oberflächliche PC-Spiele nach Schema F ist man ja gewohnt. Was könnte er da noch groß verbocken?

20.11.08 20:57
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung