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Warum das...

"Verpuffen" von Zinssenkungen so verdammt interessant sein kann
 

Natürlich wollen Zeitungsverlage Auflage machen. Das geht am besten mit aufregenden Schlagzeilen, die den Leser am besten noch selbst betreffen. Oder seinen Geldbeutel. Wie ein Fachmann weiß, ist an der „aufregenden“ – das Wort reißerisch soll gemieden werden – Überschrift „Märkte ignorieren US-Zinssenkung“ viel Wahres dran. Aus rein marktmechanischen Gründen ignorieren die Märkte ja vorerst die Zinssenkung, um nach Monaten ihre Wirkung zu entfalten.

Derartige Überschriften aber sind bezeichnend für eine Verkommenheit in der freien Presse, die sich in täglichen Schmierblattausgaben weiter äußert. Doch vielmehr sind sie auch bezeichnend für den geistigen Zustand eines Volkes, oder vieler Völker, dem der reichen Länder. Selbst mitleiderregendste Themen wie die Not der Dritten Welt, oder grausigste Menschenrechtsverletzungen wie das systematische Foltern von Kriegsgefangenen zur Unterhaltung, rücken nur ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit – repräsentiert vom Durchschnitt der großen Industrienationen – wenn sie gerade aktuell sind oder die Auflage steigern. Dabei wäre dauerhafte Aufmerksamkeit der breiten Masse auf einige Themengebiete vor allem für die politische Gestaltung eines Landes sehr hilfreich. Wie schnell nur mag die große „Migrantendiskussion“ der vergangenen Landtagswahl in Vergessenheit geraten und wer erinnert sich heute noch an das Versprechen Rot-Grüns vor dem versammelten Bundestag, die Steuern zu senken – was auch mir persönlich nur in Erinnerung blieb, da sie von Seiten der Opposition sofortiges Lachen erntete.

Nicht zuletzt aber, bezeichnen die Schlagzeilen auch einen Zustand unserer modernen Welt. Sie ist gewachsen, zusammengewachsen und allgemein größer und komplizierter geworden, könnte man meinen. Doch einzig die Richtung und der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit haben sich vom Ehebruch des Nachbarn und dem Geplänkel zwischen Kaiser und Herzog verändert, hin zur Aufmerksamkeit auf Hinterziehungsskandal und Irakkrieg. Aber man ist weniger davon betroffen, der Deutsche sitzt in seinem Heim am Herd, lebt freizügig oder monogam, geht zur Nahrungsbeschaffung ins nächste Kaufland und steckt seine Energie in immer schlechter bezahlte und seltener werdende Jobs und Familiengründung. So bleibt ihm trotz industrieller, technischer, medialer und digitaler Revolution keine Zeit und auch kein Wille mehr, sich mit den Themen der deutschen, oder gar der Weltpolitik zu beschäftigen.

So kann man der Masse als freie Presse viel einreden, zum Beispiel auch, Leitzinssenkungen der USA würden „verpuffen“. Dass Leitzinsen den Konsum ankurbeln indem sie das Sparen uninteressant machen, wodurch wiederum der Einzelhandel einen Aufschwung bekäme und investitionsfreudiger würde... nun, es ist eine lange und komplexe Erklärung, die man dem Laien nicht in zehn Minuten einleuchtend und detailliert beibringen kann. Im Gegenzug lässt sich ein Rapport, dass der Aufschwung nach ein paar Tagen ausbleibt, trotz Leitzinsensenkung, gefüllt mit einigen furcht- und ehrfurchterregenden Zahlen und Zitaten relativ kurz fassen. Gleichzeitig wird dem Leser ein gutes Gefühl politischen Engagements vermittelt und die Seite ist gefüllt.

Gute Sache:
http://www.zeit.de/2008/07/Oekonom

Bedenkliche Sache:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,532371,00.html

17.2.08 23:25
 


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