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     Helmut Schmidt
     Kurze Chronologie des Terrorismus






Quarantine

Am Anfang ist man so ahnungslos wie die dürre Reporterin...

Deshalb empfehle ich nur weiterzulesen wenn man auf ein gewisses (kleines) Aha-Erlebnis verzichten kann. Der Film ist auf jeden Fall empfehlenswert, blutig, nicht innovativ, hat seine Schockeffekte (eher durch Spannung denn Blut) und ist mit einer einzigen handgehaltenen Kamera gedreht. Außerdem scheint das Script ziemlich genau von dem spanischen Film [REC] übernommen worden zu sein.

 

Weiter geht’s für alle die einfach nur eine Meinung wollen.

Eine Reporterin und ihr Kameramann wollen eine Doku über einen Abend auf einer Feuerwache in Los Angeles drehen. Dabei gibt es ein paar dumme Witze – hauptsächlich über Sex – bis die Feuerwehr endlich zu einem Einsatz gerufen wird. Die Dialoge sind nachvollziehbar, wenn auch wenig überraschend. Zwar handelt es sich bei der Besetzung höchstens um zweitrangige Seriendarsteller, doch die Figuren sind passend besetzt und wesentlich nachvollziehbarer als man es bei Horrorfilmen vielleicht gewohnt sein mag dargestellt.

Bis zur Ankunft am Einsatzort zieht sich der Film etwas und sogar bei mir kam ernsthafte Langeweile auf. Ab einem gewissen Punkt gab es zwei Möglichkeiten: Entweder der Film ginge in diesem Dokustil weiter und begleitet die Feuerwehrleute bei ihrer Arbeit um im Heldendrama zu enden. Oder aber es kommt zu einem ordentlichen Gemetzel. Natürlich verkauft sich letzteres dann doch einen Tick besser.

Bevor das Blut fließen darf helfen die Feuerwehrmänner erst einmal der Polizei in die Wohnung einer geistig verwirrten Frau einzudringen. Durch die beengte Perspektive gelingt es sogar die relativ „sichere“ Szene (zwei Polizisten und ein paar Feuerwehrleute mit Vorschlaghammer stehen zwischen dem Dokuteam) einigermaßen aufregend.

Die Sequenz endet damit das einer der Polizisten von der Frau gebissen– nicht nur eingefleischte Horrorkenner dürften aus der Blässe der Dame, ihrem Gestöhne und wackeligen gang und letztendlich dieser unbequemen Attacke schließen das es sich um einen Zombie handelt – und von ihr mit einem Zombievirus infiziert wird. Bei ihrem Vorhaben, den Verletzten aus dem Gebäude zu schaffen bemerken die Einsatzkräfte das die Türen von außen verbarrikadiert sind. Handys haben keine Verbindung, Telefone, Strom und Kabelfernsehen sind abgeschnitten.

Natürlich versuchen Hausbewohner, Rettungskräfte und Reporter als erstes aus dem Haus zu kommen, werden aber durch die Fenster von SWAT-Einheiten mit der Waffe bedroht und entscheiden sich vorerst anders (später ist deutlich zu erkennen das die Elite-Polizisten durch Soldaten ersetzt wurden, ein winziges Detail im Film das einen angenehmen Akzent für mich setzt).

Nach und nach fallen alle Akteure dem Zombievirus zum Opfer. Dabei leistet ein tapferer Feuerwehrmann – mit Vorschlaghammer – am meisten Wiederstand und unterstützt das Fernsehteam auf seiner Flucht durchs Haus. In der Wohnung im obersten Stock stößt es schließlich auf eine Überraschung (zu viel will ich auch nicht vorweg nehmen) welche einiges erklärt, doch man muss sich das meiste selbst zusammenreimen.

 

Zurück zur Umsetzung. Blut und offene Wunden werden hauptsächlich genutzt um die Infektion mit dem Zombievirus anzuzeigen. Die Charaktere reagieren entsprechend geschockt oder entnervt auf grausige Bilder oder Situationen (bemerkenswert ist das infizierte Kleinkind oder der Angriff des Kameramanns auf eine Zombiefrau). Von panischen Schreien, Gezänk bis zum tränenreichen Zusammenbruch oder einfachem gehetztem Blick: es ist stimmig und grobe Schnitzer werden durch das dauerhafte Kameragewackel versteckt. Darauf muss man sich einlassen, sonst steht man den Film nicht durch. Wer bei Cloverfield Probleme schon eine Migräne bekam sollte Quarantine meiden. Wer sich dabei entspannen und davon mitreißen konnte (auch „startled“ war), sollte ihn unbedingt sehen.

Am Rande erwähnt: die Ausstattung ist insgesamt großartig, alle sind glaubhaft angezogen, für einen Horrorfilm der tricktechnisch (nur Make-Up und Schüsse) und schreiberisch (schon nachdem man eine Figur fünf Minuten lang kennt lässt sich vorhersagen wann und wie sie umkommt) so weit unten rangiert, einfach nur fabelhaft.

 

Alles in Allem ist Quarantine eine gelungene aber vorhersehbare Mischung aus Blair Witch Projekt (vor allem am Ende) und 28 Days Later (hier fällt die Gestaltung der Zombies ins Auge). Ein guter Film für die Sneak, doch nur Genrefans sollten den Normalpreis aufwenden und sich natürlich auf eine kleine Enttäuschung gefasst machen wenn sie [REC] vorher schon gesehen haben.

20.11.08 20:59


1968 Tunnel Rats

Vietnam 1968: Eine Gruppe amerikanischer Soldaten wird in den tiefsten Dschungel versetzt. Sie sind die Neuankömmlinge in einem Lager von abgehärteten „Tunnelratten“ deren Aufgabe es ist die von der Vietcong angelegten Tunnelsysteme aufzustöbern und unschädlich zu machen. Durch die Tunnel schickten die Widerstandskämpfer Truppen und Material. Unter der Erde wurden Schlafquartiere, Planungszentren und Krankenhäuser angelegt. Außerdem gab es viele Sackgassen und Fallen um den Amerikanern das Leben noch weiter zu erschweren.

Als der Film anlief war mein erster Gedanke „Oh mein Gott, welcher Depp dreht heute noch nen Vietnamkriegsfilm?“ (Meisterwerke wie Platoon, Full Metal Jacket und Apocalypse Now sind ja nur der Gipfel des blattgrünen amerikanischen Traumas). Der Titel hatte mich dagegen wieder etwas beruhigt, schließlich ging es um ein Thema das lediglich in Forrest Gump kurz aufgegriffen wurde. Der Regisseur dagegen... Es tut mir leid, aber was da oben in Anführungsstrichen steht war nicht nur mein erster Gedanke, ich habe es unbedarft wie ich bin laut ausgesprochen! Und Lacher geerntet.

Die Antwort - ich hatte es im Vorspann wohl übersehen - lautet nämlich: Uwe Boll!

Über seine anderen Filme will ich mich überhaupt nicht auslassen. Es ist zu empfehlen sich den Wikipedia-Artikel durchzulesen, er ist informativ, amüsant und kurz. Zurück zum Film.

Die Idee an sich ist gar nicht mal schlecht. Auch die Ausstattung stimmt. Abwärts geht es dann bei den Schauspielern, doch welche Chance lässt ihnen das Script bei den Oberflächlichen Schablonenfiguren die sie spielen?

Oh, ziemlich viele, denn es gibt kein Script. Dr. Boll erklärt ganz stolz das die Dialoge improvisiert sind. Nun... es gibt Filme welche auf diese Art durchaus an Qualität gewinnen, dieser nicht. Die Dialoge bleiben genauso steif, zusammenhangslos und gewöhnlich wie man es schon in Dungeon Siege oder Bloodrayne bestaunen konnte. Hier haben wir den harten Schwarzen aus der Bronx, das Weichei da, das Muttisöhnchen hier. Da kommt auch schon der Sergeant der sich um seine Jungs kümmert und sie vor dem Gemüt des fanatischen Leutnants schützt. Einen blonden Helden gibt es auch.

Interessant wird es erst wieder als es in die Tunnel geht. Da stimmt die Atmosphäre einigermaßen, auch wenn man merkt das der Produzent eher Erfahrung mit Horror- als historischen Kriegsfilmen hat. Denn ihre Taschenlampe richten die Soldaten grundsätzlich erst mal auf ihr Gesicht, die Pistole an die Decke oder auf den Körper. Ab und zu werden Schüsse ins Dunkel abgefeuert, einen Eindruck davon was man in diesen Tunneln sieht oder nicht gibt es nicht.

Im weiteren Verlauf bleibt die Story fad und vorhersehbar, Tunnelszenen und vor allem die Kämpfe in ihnen sorgen gelegentlich für Spannung die dann aber wieder rapide abfällt. Dabei wird vor allem auf Blut und sparsame Kameraführung gesetzt statt Choreographie und ähnliche Nichtigkeiten. Und nein, die Vietcong schießen immer noch mit AK-47ern auf die Amis, auch wenn hier gelegentlich Körperteile rumfliegen. Bolls Make-Up-Mensch kommt aus dem Splatterfilmgenre und ist ebenso unfähig darin seine Wurzeln hinter sich zu lassen wie sein Herr und Regisseur.

Zu guter Letzt schlägt auch der Versuch Atmosphäre durch Echtzeit zu schaffen fehl, führt nur zu Langeweile und der Hoffnung auf mehr Blut nach dem nächsten Schnitt damit man sich wenigstens ekeln kann.

Einen weiteren Pluspunkt hätte der Regisseur damit sammeln können das einige Szenen aus der Sicht der tapferen kleinen Männer und Frauen mit der AK-47 gedreht wurden. Doch selbst diese können dem bollschen Muster nicht entrinnen. Die Vietnamesen sind ebenso grau wie die Amerikaner – wäre ja diskriminierend wenn nicht, oder?

 

Fazit:

Ein interessantes Thema, ein paar gute Ideen und das sagenhafte Kunststück daraus einen Schundfilm zu machen der allenfalls einen Fernsehabend einleiten, geschweige denn einen Kinobesuch füllen sollte. Selbst wer sich für das Thema „Tunnel Rats“ interessiert wird enttäuscht sein.

Hierfür den normalen Kinopreis zu zahlen wäre nur ärgerlich, ihn in der Sneak zu sehen durchaus erträglich.

 

Nachtrag:
Uwe Boll produziert jetzt anscheinend einen Egoshooter mit dem Titel „1968 Tunnel Rats“. Wer denkt da nicht an marketing...

Nun ja, oberflächliche PC-Spiele nach Schema F ist man ja gewohnt. Was könnte er da noch groß verbocken?

20.11.08 20:57


Warum das...

"Verpuffen" von Zinssenkungen so verdammt interessant sein kann
 

Natürlich wollen Zeitungsverlage Auflage machen. Das geht am besten mit aufregenden Schlagzeilen, die den Leser am besten noch selbst betreffen. Oder seinen Geldbeutel. Wie ein Fachmann weiß, ist an der „aufregenden“ – das Wort reißerisch soll gemieden werden – Überschrift „Märkte ignorieren US-Zinssenkung“ viel Wahres dran. Aus rein marktmechanischen Gründen ignorieren die Märkte ja vorerst die Zinssenkung, um nach Monaten ihre Wirkung zu entfalten.

Derartige Überschriften aber sind bezeichnend für eine Verkommenheit in der freien Presse, die sich in täglichen Schmierblattausgaben weiter äußert. Doch vielmehr sind sie auch bezeichnend für den geistigen Zustand eines Volkes, oder vieler Völker, dem der reichen Länder. Selbst mitleiderregendste Themen wie die Not der Dritten Welt, oder grausigste Menschenrechtsverletzungen wie das systematische Foltern von Kriegsgefangenen zur Unterhaltung, rücken nur ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit – repräsentiert vom Durchschnitt der großen Industrienationen – wenn sie gerade aktuell sind oder die Auflage steigern. Dabei wäre dauerhafte Aufmerksamkeit der breiten Masse auf einige Themengebiete vor allem für die politische Gestaltung eines Landes sehr hilfreich. Wie schnell nur mag die große „Migrantendiskussion“ der vergangenen Landtagswahl in Vergessenheit geraten und wer erinnert sich heute noch an das Versprechen Rot-Grüns vor dem versammelten Bundestag, die Steuern zu senken – was auch mir persönlich nur in Erinnerung blieb, da sie von Seiten der Opposition sofortiges Lachen erntete.

Nicht zuletzt aber, bezeichnen die Schlagzeilen auch einen Zustand unserer modernen Welt. Sie ist gewachsen, zusammengewachsen und allgemein größer und komplizierter geworden, könnte man meinen. Doch einzig die Richtung und der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit haben sich vom Ehebruch des Nachbarn und dem Geplänkel zwischen Kaiser und Herzog verändert, hin zur Aufmerksamkeit auf Hinterziehungsskandal und Irakkrieg. Aber man ist weniger davon betroffen, der Deutsche sitzt in seinem Heim am Herd, lebt freizügig oder monogam, geht zur Nahrungsbeschaffung ins nächste Kaufland und steckt seine Energie in immer schlechter bezahlte und seltener werdende Jobs und Familiengründung. So bleibt ihm trotz industrieller, technischer, medialer und digitaler Revolution keine Zeit und auch kein Wille mehr, sich mit den Themen der deutschen, oder gar der Weltpolitik zu beschäftigen.

So kann man der Masse als freie Presse viel einreden, zum Beispiel auch, Leitzinssenkungen der USA würden „verpuffen“. Dass Leitzinsen den Konsum ankurbeln indem sie das Sparen uninteressant machen, wodurch wiederum der Einzelhandel einen Aufschwung bekäme und investitionsfreudiger würde... nun, es ist eine lange und komplexe Erklärung, die man dem Laien nicht in zehn Minuten einleuchtend und detailliert beibringen kann. Im Gegenzug lässt sich ein Rapport, dass der Aufschwung nach ein paar Tagen ausbleibt, trotz Leitzinsensenkung, gefüllt mit einigen furcht- und ehrfurchterregenden Zahlen und Zitaten relativ kurz fassen. Gleichzeitig wird dem Leser ein gutes Gefühl politischen Engagements vermittelt und die Seite ist gefüllt.

Gute Sache:
http://www.zeit.de/2008/07/Oekonom

Bedenkliche Sache:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,532371,00.html

17.2.08 23:25


Wo die USA wieder einmal das schlechte Beispiel sind...

 

In einem Medienzeitalter stellt sich die Frage, wie sehr Medien die öffentliche Meinung beeinflussen und bilden und damit auch, wie sehr sie diese lenken. Natürlich tun sie dies im höchsten Maße. Politik wird nun zum medienwirksamen Spektakel, mal mehr, mal weniger ernsthaft am ursprünglichen Sinn der Staatenlenkung orientiert.
Es zeigt sich, dass ein Staat, erst einmal von Medien durchsetzt, die Wahl seines Oberhauptes an ihnen orientiert. So nutzen die Kandidaten natürlich ihre Chancen und inszenieren sich auf eine Weise, die möglichst viele Stimmen sicher soll. Unliebsame Themen werden gegen simplere, aufsehenerregende eingetauscht. Ebenso gerät ein Parteiprogramm bei den Massen in beinahe Vergessenheit, statt dessen wird der strahlende Kandidat präsentiert. Es wird ein Täuschwerk des Erfolgs oder auch von Problembehandlungen inszeniert um von anderen Fehlern abzulenken, seien sie aus Fehlkalkulation entstanden oder nur in so fern falsch, dass sie nicht dem Wohle des Staates dienen.
Im US-amerikanischen Wahlkampf spielen Medien eine Maßgebliche Rolle. Spendengelder bestimmen die Kapazität mit der die Kandidaten ihr Aufgebot an Plakaten, Veranstaltungen, Fernsehspots oder Internetauftritten gestalten können. Hierzu sind die Medien das Werkzeug, den Kandidaten dem Wähler näher zu bringen.


Im aktuellen Wahlkampf scheint es letztendlich die Entscheidung zu sein, welche Art von Anführer sich das Gros des amerikanischen Volkes wünscht. Entweder den erwiesen Kompetenten, oder den charismatischen, Versprechenden.
Als Beispiel für den Einfluss des amerikanischen Systems des Medieneinflusses wäre der Aufruhr bei der letzten Bundestagswahl zu nennen, bei dem es sich um die Haarfarbe des SPD-Kandidaten und amtierenden Kanzler drehte. Ob Gerhard Schröder sich das grauende Haar färbte, habe Einfluss auf seine Glaubwürdigkeit. Seine polemische und rein effektheischende Siegesgewissheit, und die Kritik daran, mochten da eine größere Daseinsberechtigung gehabt haben, so lächerlich er im nachhinein auch dastand. Doch zeigen diese Geschehnisse, dass es den Parteien immer mehr um ihren Kandidaten geht. Es geht um Wahl auf Sympathie, nicht Programm. Denn der einzelne Mensch lässt sich viel leichter bewerben und vom Wähler verarbeiten – vor allem beim politikfaulen deutschen Wähler – als ein Wahlprogramm das als kleines Büchlein daherkommt.


Dabei ist das deutsche Parteiensystem ja gerade aufgrund eines gewissen Erfahrungswertes und besseren Wissens auf eine repräsentative Regierung, das Programm der Partei und nicht die präsidiale Demokratie und nicht einzelne Personen ausgelegt.

17.1.08 23:00





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